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Zisterziensermönche waren nicht allein für ihre Pionierarbeit
in Architektur und Landesausbau bekannt, sondern taten
sich auch als Gartenbaumeister hervor. Klostergärten waren
sowohl für die Selbstversorgung mit Obst und Gemüse als
auch für die Produktion von Heilkräutern von großer Bedeutung.
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Auch hatte der Garten in der Vorstellungswelt
des Mittelalters eine religiöse Bedeutung. Bereits
im Bild vom "Garten Eden" kommt dies zum Ausdruck.
Das tägliche Leben und die Arbeit mit den Kräutern,
Blumen und Bäumen im Klostergarten lehrte die Mönche
über Vergänglichkeit und Neuentstehung des Schönen
und Guten nachzudenken.
Der zentrale klösterliche Garten wird vom Geviert
des Kreuzgangs umgeben und als Kreuzgarten
bezeichnet. Die Umfriedung dieses Gartens geht auf
die mittelalterliche Idealvorstellung des Paradiesgartens
zurück - im etymologischen Ursprung bezeichnen beide
Begriffe, Garten und Paradies, in gleicher Weise
einem nach außen abgeschlossenen Bereich (Garten:
aus dem indoeuropäischen "ghordo-s" = Flechtwerk,
Zaun, Hürde. Paradies: aus dem altpersischen Wort
für Umzäunung oder Umwallung). In dieser Hinsicht
symbolisiert der Garten seinerseits das gesamte
Kloster (vom lateinischen "claustrum"), welches
ebenfalls einen streng von der Außenwelt abgegrenzten
Bezirk bezeichnet.
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Im "St. Galler Klosterplan", einem Idealplan für
die Anlage eines Klosters, der für die Klostergründungen
in benediktinischer Tradition - und damit auch für
Zisterzienser - von großer Bedeutung war, sind neben
dem Kreuzgarten auch die Nutzgärten verzeichnet.
Hierbei handelt es sich um den Gemüsegarten mit
18 rechteckigen Beeten, den als Obstgarten zu nutzenden
Friedhof und den nahe dem Hospital gelegenen Kräutergarten.
Von der mittelalterlichen Gartenanlage hat sich in
Eberbach bedauerlicherweise nichts erhalten - ebensowenig
wie von der entsprechenden Dokumentation. Auch in
dieser Hinsicht hat der Dreißigjährige Krieg hier
seine Spuren hinterlassen. Erst nach wirtschaftlicher
Erholung der Abtei zu Beginn des 18. Jahrhunderts
wurde eine grundlegende Neugestaltung der Gartenanlagen
in die Wege geleitet. |
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Das dabei realisierte Konzept nahm vielfach weltliche
Einflüsse auf und ließ zeitgenössische Formalgärten
entstehen, wie sie in Deutschland schon bis zu 50 Jahre
zuvor in Schlossgärten und Parks umgesetzt wurden. Die
Zeit der Barockgärten war schon fast vorbei, als sich
die Zisterzienser in Eberbach dieser Formensprache annahmen.
Der Kreuzgarten wurde dabei besonders reich ausgearbeitet
und durch zahlreiche Brunnen und Wasserspiele, Formhecken
und -skulpturen, Rabatten und eine bis ins Detail geplante
Symmetrie der Flächeneinteilung inszeniert.
Auf den abgelegeneren Flächen, wie dem Schmidtgarten,
wurde zwar weiterhin Gemüse angebaut, jedoch folgten die
Beete nun einer strahlenförmig symmetrischen Struktur
und waren in gemauerte Hochbeete gefasst. Ebenso fehlte
auch hier nicht das Wasser als symbolkräftiges Gestaltungselement.
Nutzgärten wurden bevorzugt mit "feineren" Gemüsen kultiviert
und große Flächen als Obstgärten angelegt. Talabwärts
wurde der Kisselbach aufgestaut, um Fische zu züchten.
Der grenzübergreifende Waren- und Gedankenaustausch, den die Zisterzienser in ganz Europa betrieben, brachte sie auch in Kontakt mit zahlreichen "exotischen" Kulturpflanzen, die sie nach ihrer Eignung für das hiesige Weinbauklima selektierten. |
 
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In dieser noch jungen Tradition monastischer Experiementierfreude
reihen sich die gärtnerischen Aktivitäten in
nachklösterlicher Zeit ein. Markante Beispiele
hierfür sind der Lehrweingarten an der östlichen
Zufahrt und die stattlichen Bäume des Großen Gartens.
Der Lehrweingarten geht auf eine Initiative
der damaligen Staatsdomäne Kloster Eberbach zurück
und sollte in den Siebziger Jahren einen Überblick
über historische und regional tatsächlich angewandte
Erziehungsmethoden der Reben geben. Ebenso wurden
im oberen Teil der Fläche weitverbreitete Rebsorten
angepflanzt, um deren unterschiedliche Belaubung
und Frucht zu veranschaulichen.
Übrigens liegt der Weingarten im Pomarium,
einer Fläche die schon immer als Obstwiese oder
Weinberg kultiviert wurde. Die heutige Ostzufahrt
unterhalb des Pomariums wurde erst um 1920 verkehrstauglich
befestigt und hatte ihr historisches Vorbild in
der Konventsallee.
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Das gleichmäßig kühle und damit feuchte Kleinklima
im Kisselbachtal begünstigten den Aufwuchs mächtiger
Bäume im Großen Garten und im Hospitalgarten,
die zum Teil den Dachfirst der Klausur und der Klosterkirche
überragen. Sie sollen auf die Schenkung entsprechender
Sämlinge zurückgehen, die ein tunesischer Konsul
im 19. Jahrhundert dem Großherzog von Nassau machte,
der sie u.a. hier in Eberbach anpflanzen ließ.
Der Lebensbaum (Thuja occidentalis) stammt
aus Nordamerika, ist schon 1536 in Europa kultiviert
worden und kann in feuchtem Boden bis zu 1.500 Jahre
alt werden. Die hier zu sehenden Exemplare dürften
aber kaum älter als 180 Jahre sein. Ebenso gelten
die aus Nordafrika stammende Blaue Atlas-Zeder (Cedrus atlantica 'Glauca') und die Libanesische Zeder
(Cedrus libani) als monumental und langlebig.
In den Siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts pflanzten
die Gärtner der damaligen Staatsdomäne einen Mammutbaum.
Der Sequoiadendron giganteum ist bekannt aus dem Westen Nordamerikas und erreicht eine Höhe von bis zu 80 Metern. Wenn alles gut geht wird er noch im Kisselbachtal wachsen, wenn die Menschheit auf das Zwanzigste Jahrhundert zurückblickt wie wir heute auf die ägyptische Hochkultur. Seine Lebenserwartung beträgt immerhin 4.000 Jahre. |
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Für vertiefte Informationen über die Gartengestaltung
im Kloster Eberbach empfehlen wir die Themenführung
"Klösterliche Gartengestaltung einst und jetzt".
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